Turrican Soundtrack Anthology Booklet, Deutsche Übersetzung

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Chris Huelsbeck im Studio 1993, während der Produktion des ersten Turrican Albums

Chris Huelsbeck im Studio 1993, während der Produktion des ersten Turrican Albums

Seit über 20 Jahren kennt die Welt nun den Anblick und Klang der fantastischen Turrican-Videospielserie. In einer technologischen Zeit, in der Erforschung und Freiheit ein Luxus waren, den es nur selten in Spielen gab, und in der der Soundtrack eines Spiels oft nur Nebensache war, bot Turrican das Beste der Elemente, die sich auf dem aufkommenden Spiele-Markt entwickelt hatten. Turrican bot den Spielern die Möglichkeit, in eine riesige unbekannte Welt einzutauchen und diese zu erkunden, untermalt von einem der einprägsamsten und beliebtesten Soundtracks der Videospielgeschichte.

Zur Zeit von Turricans Veröffentlichung im Jahr 1990 war der junge Komponist Chris Huelsbeck in seiner Herangehensweise revolutionär in der Spiele-Industrie. Für ihn war die Musik, die er für die Spiele schrieb, nicht nur dazu da, den von solch einem Medium erwarteten Bereich auszufüllen, sondern ein Weg, um die Geschichten zu erweitern, indem er die Erzählung mit durchdachtem Sound-Design und einprägsamen Melodien unterstützte. Bei Turrican konnten die Spieler die mit Gefahren und Geheimnissen gefüllten, riesigen Landschaften nicht einfach nur sehen, sie hörten auch das Thema eines Helden, die Klänge eines fremden Planeten und den Beat unglaublicher Action.

Während seiner Karriere, die sich bisher über 100 Projekte und mehr als zwei Jahrzehnte erstreckt, hat Huelsbeck nicht nur die Art und Weise revolutioniert, wie Spielemusik von den Fans erlebt und gehört wird, sondern auch den Weg für diejenigen bereitet, die in seinen Fußstapfen folgten. Dabei beeinflusste er eine ganze Generation zukünftiger Komponisten, die sich zum Ziel gesetzt hatten, die Grenzen dessen zu verschieben, was man von Spielemusik in Bezug auf die Hardware und die unterschiedlichen Stile erwartete. Sei es beim Entfachen der Leidenschaft im Spieler vor dem Bildschirm oder bei ausverkauften Konzerten, bei denen seine charakteristischen Melodien von einem Weltklasse-Orchester vorgetragen werden - Chris Huelsbeck ist zu einer Ikone geworden. Nun, da sich der Staub langsam auf die legendären Arbeiten der Vergangenheit setzte, begann Huelsbeck davon zu träumen, in die Welt zurückzukehren, in der viele Spieler seine Arbeiten das erste Mal entdeckten. Und von einer Möglichkeit, die Fans zu überraschen, die vom Charme und Eindruck dieser Musik die meiste Zeit ihres Lebens begleitet wurden: Eine Rückkehr in die Welt von Turrican.

Es war nicht das erste Mal, dass die Musik von Turrican neu behandelt wurde. Im Jahr 1993 wurden zahlreiche Stücke der Turrican-Reihe ausgewählt und von Huelsbeck selbst mit High-End-Studio-Equipment arrangiert und als “Turrican Original Video Game Soundtrack” veröffentlicht. Dieses Album umfasst eine interessante Mischung aus kraftvollen, aufgewerteten Synthesizer-Werken sowie ein dramatisches Klang-Abenteuer, erzählt mit Soundeffekten und musikalischen Stimmungen. Es wurde zu einer Zeit veröffentlicht, als Videospielmusik-Alben außerhalb von Japan noch eine Anomalie waren, wodurch es schließlich zum gesuchten Objekt für Sammler und Fans wurde. Während das Album Huelsbecks meistverkaufte Veröffentlichung wurde, blieb es seiner Ansicht nach unvollständig, weil es nur eine kleine Auswahl an Songs bot.

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Durch den Erfolg spielebezogener Crowdfunding-Kampagnen auf Kickstarter in der letzten Zeit, wurde speziellen Projekten ein Weg eröffnet, auch realisiert zu werden. Zum ersten Mal kann die Gaming-Community an der Verwirklichung von Träumen teilhaben, die in der Unternehmenswelt manchmal als unvorstellbar gelten. Die Fans können an der Erschaffung eines Produkts mitwirken, das sie selbst interessiert. Im Grunde ermöglicht Kickstarter allen, ihren Traum zu präsentieren und Unterstützer dafür zu gewinnen, wobei dafür ein festgelegtes Budget erreicht werden muss - und die Möglichkeit, dass diese Mindestmarke nicht erreicht wird, besteht oft bis zur letzten Sekunde.

Auf dem Papier sieht der Vorschlag ziemlich selbstverständlich aus: Den Fans soll die Möglichkeit gegeben werden, ein Projekt zum Jubiläum Turricans zu unterstützen. Aber es blieb die Frage, ob ein auf Spielemusik bezogenes Projekt durch eine Crowdfunding-Kampagne zum Erfolg geführt werden könnte, oder ob es ein zu weit hergeholter Traum bleiben würde.

Die Produzenten: Thomas Böcker, Chris Huelsbeck & Jan Zottmann

Die Produzenten: Thomas Böcker, Chris Huelsbeck & Jan Zottmann

Schnell wurde klar, dass, um das volle Potenzial einer solchen Unternehmung auszuschöpfen, das Projekt keine Ein-Mann-Operation bleiben konnte. Turrican schlummerte schon zu lange und die Fans forderten etwas von bedeutender Größe und Wucht, um den Helden in Silber wieder aufleben zu lassen. Zwei Begleiter von Huelsbecks langer Karriere schienen perfekt geeignet dafür, beim Erreichen dieser beängstigenden Aufgabe zu helfen. Jan Zottmann, ein Spielemusik-Enthusiast, Produzent und langjähriger Freund, schloss sich an, um dem Projekt mit seiner Erfahrung bei Musikproduktion und Koordination zur Seite zu stehen. Erfahrung, die er mit seiner ausgezeichneten Immortal-Alben-Serie gesammelt hatte, für die Komponisten aus der Amiga-Ära ihre eigenen Werke neu arrangierten und aufnahmen. Neben Zottmann kommt noch ein weiterer, allen Spielemusik-Fans bekannter Name hinzu: Thomas Böcker, langjähriger Fan von Huelsbecks Musik und selbst in der Welt der Spielemusik aktiv. Er produzierte im Jahr 2003 das erste Konzert mit Videospielmusik außerhalb Japans und hat seitdem die hochgelobte Symphonic-Game-Music-Concert-Reihe erfolgreich etabliert. Der Erfolg seiner preisgekrönten Produktionen ermöglichte auch eine geschichtsträchtige Nacht im August 2008, mit der Premiere von Symphonic Shades, einem orchestralen Tribut an Chris Huelsbeck. Dies war auch das erste Mal, dass Spielemusik live landesweit im Radio übertragen wurde, was Huelsbecks legendären Status in der Branche einmal mehr bestätigte.

Statt einer Fortsetzung im Stile vergangener Veröffentlichungen, sollte mit einem neuen Turrican-Album eine bisher einzigartige Spielemusik-Sammlung geschaffen werden. Chris Huelsbeck plante nicht nur, fast alle Turrican-Werke zu remastern, sondern sie im Studio Stück für Stück neu zu arrangieren, um das volle Potenzial jedes Tracks zu entfalten. Auf das Album sollte außerdem eine neue Orchester-Live-Aufnahme, aufgeführt vom erstklassigen WDR Rundfunkorchester Köln und dem WDR Rundfunkchor Köln, kommen; dem gleichen Orchester, das Symphonic Shades aufgenommen hatte. Die neuen Aufnahmen sollten in einem luxuriösen Box-Set zusammengefasst werden, auf das die Fans schon zwanzig Jahre gewartet hatten: Die Turrican Soundtrack Anthology.

Und so kam der April 2012 immer näher, die Vorproduktion hatte begonnen und die Kampagne würde bald starten. Selbst die enthusiastischsten Fans sollten etwas finden, dass ihr Interesse weckte - mit vom Komponisten signierten Box-Sets, Postern, T-Shirts, und zahlreichen anderen tollen Sachen, die all denen angeboten wurden, die an der Entstehung des Projekts teilhaben wollten. Alles war bereit für eine der ehrgeizigsten, aber auch sehr ungewissen Kampagnen, die es auf Kickstarter bis dahin gab. Das Budget-Minimum für ein Projekt dieser Größe wurde vorsichtig auf 75.000 Dollar angesetzt. Trotz des legendären Namens der Spieleserie und des Komponisten, musste sich dennoch erst zeigen, ob ein Videospiele-Soundtrack für Fans wichtig genug sein würde, um deren Unterstützung zu bekommen. Am 15. April 2012 startete die Kampagne und mit Herzklopfen verfolgte man nun den Fortschritt bis zum Ende am 3. Juni. Was nun geschah, hätte sich auch in den kühnsten Träumen niemand vorstellen können: Die gesamte Videospiel-Gemeinschaft sprach sich unterstützend für das Projekt aus, und in weniger als zwei Wochen nach dem Start hatte die Kampagne das Mindestziel erreicht! Ob große News-Seiten oder Fan-Blogs, die Turrican Soundtrack Anthology fing die Vorstellungskraft von Generationen von Fans ein. Denjenigen, die mit Turrican groß geworden waren, denjenigen, die von Chris Huelsbeck in ihrem beruflichen Werdegang beeinflusst wurden, und sogar denjenigen, die erst jetzt an die Welt von Turrican herangeführt wurden, unterstützen das Projekt einstimmig.

Die Zahlen stiegen stetig und der Turrican Soundtrack Anthology wuchsen täglich größere Flügel und das Projekt breitete sich in immer neue Bereiche aus. Mit einem Budget, das nun über dem ursprünglichen Ziel lag, wurden weitere Anreize möglich, etwa ein USB-Stick mit den Original-Soundtracks, aufgenommen von der jeweiligen Hardware, oder individuelle Klingelton-Kompositionen. Mit zunehmender Unterstützung folgten eine vierte CD und eine limitierte Vinyl-Veröffentlichung mit exklusiven Bonustracks. Die vielleicht außergewöhnlichste angebotene Belohnung für die Unterstützer war eine mechanische Spieluhr in einer handgefertigten Holzbox, erhältlich für die treuesten Fans als High-End-Sammlerstück.

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Das Team verbrachte Tag und Nacht auf einer Achterbahn aus Zusagen und Emotionen, und während der 45 Tage der Kampagne halfen die Fans mit, die Richtung zu bestimmen, die das Projekt einschlagen würde. Mit jedem neuen Angebot wurde die Unterstützung stärker, dank der einzigartigen Verbundenheit, die zwischen Huelsbeck und seinen Fans entstanden ist. Jede Woche erschienen überall auf der Welt neue Interviews, und die Sozialen Netzwerke brachten die Nachrichten an die Massen. Das Interesse an dem bekannten Komponisten war nun völlig wiederbelebt.

Nach zwei Monaten intensiver Anstrengung und einzigartigem Engagement war es soweit: Am 3. Juni 2012 zählte die Turrican-Soundtrack-Anthology-Kampagne ihre letzten Sekunden. Das Endergebnis lag bei mehr als 250 Prozent des angesetzten Budgets! So wie Chris Huelsbeck in den Jahrzehnten davor Geschichte geschrieben hatte - er war der erste international bekannte Spielemusikkomponist, er entwickelte ein eigenes Soundsystem zur Verwendung in seinen Spielen, er war der erste Spielemusikkomponist, dessen Musik mit einem Sinfonie Orchester live im Radio übertragen wurde - so hatte er erneut Geschichte geschrieben mit der erfolgreichsten Kampagne für ein Album mit elektronischer Musik auf Kickstarter seit dessen Eröffnung.

Und mit der Unterstützung seiner Fans auf der ganzen Welt war die Turrican Soundtrack Anthology zu einem der aufregendsten Projekte und einem Fest der Videospielemusik überhaupt geworden. Das gewaltige Vorhaben, die vielen Stücke aus Turricans glanzvollen Soundtracks neu zu arrangieren, wurde gleich in Angriff genommen und Huelsbeck brachte die klassischen Kompositionen mit einem neu zusammengesetzten modernen Mix auf den neuesten Stand. Tatsächlich brachte er auch seinen alten TFMX-Editor auf einem emulierten Amiga wieder zum Laufen, um einige der komplexeren Melodielinien im Original ansehen zu können, damit die Authentizität auch in den neuen Studio-Arrangements gewahrt blieb. Einige der ursprünglichen Soundprogramme wurden ebenfalls aus Backups wiederbelebt - wie sich herausstellte, sind viele der Synthesizer mit denen die originalen Amiga-Samples erstellt wurden, heute als perfekte PlugIns für den Computer erhältlich.

Kenny Meriedeth & Vince DiCola im Studio

Kenny Meriedeth & Vince DiCola im Studio

Doch die ganze Arbeit lastete nicht auf Huelsbeck alleine: Roger Wanamo perfektionierte das geplante Arrangement für das WDR Rundfunkorchester. Hoch geschätzte Gastkünstler wie die Branchenlegenden Yuzo Koshiro und Allister Brimble stimmten zu, spezielle Versionen von klassischen Turrican-Themen beizusteuern. Aber der überraschendste Neuzugang zum Projekt war vermutlich Vince DiCola. Der in Pennsylvania geborene Filmmusikkomponist und Virtuose elektronischer Musik, bekannt durch seine Arbeit für Transformers und Rocky IV, hatte Huelsbecks Musikstil entscheidend mitgeprägt.

Um sicherzustellen, dass die Sammlung auch so gut aussehen würde, wie sie klingt, wurde Celal Kandemiroglu, der Künstler der ursprünglichen Turrican-Verpackungen, überredet, aus dem Ruhestand zurückzukehren und noch einmal ein letztes Bild des kosmischen Helden im silbernen Kampfanzug zu malen, zusätzlich zu dem von seinem Landsmann Halil Ural erstellten Artwork der Veröffentlichung. Der berühmte Minecraft-Grafikdesigner Markus "Junkboy" Toivonen wurde schließlich für das Pixelart-Cover der Vinylplatte verpflichtet.

Das Produkt, das Ihr jetzt in Händen haltet, steht für die Wiedergeburt eines grandiosen Spiele-Soundtracks, sowie dem Maestro dahinter. Das Projekt brachte Menschen aus der ganzen Welt zusammen, um gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten und einen Traum zu verwirklichen. Und mit der nicht enden wollenden Unterstützung, Hingabe und Verehrung seiner Fans bringt Huelsbeck auch heute neues Leben in die Welt der Videospielmusik. Von den bescheidenen ersten Schritten, seiner Entdeckung durch eine Computerzeitschrift in den 1980ern aufgrund seines eigenen Stils, der eine ganze Generation beeinflussen würde, bis zum Aufstieg zu einer der renommiertesten Figuren der Spieleindustrie, wurde sein neuester krönender Erfolg nur durch die Unterstützung der Fans möglich gemacht, und zusammen mit Euch allen, die Ihr heute diese Zeilen lest, hat Chris Huelsbeck wieder Geschichte geschrieben. Jetzt ist es an der Zeit, dieses wirklich einzigartige Feuerwerk der Videospielmusik zu genießen. Willkommen zur Turrican Soundtrack Anthology!

Audun Sorlie, November 2013 (Übersetzung: Alexander Prievert)

Titel Liste

Titel Liste

Credits:

Produced by Chris Huelsbeck
Co-Produced by Jan Zottmann & Thomas Böcker

“Flightmare” (Track 1.11) composed by Ramiro Vaca

“Turrican II – Anthology Suite”(Track 4.1)
Wayne Marshall, WDR Rundfunkorchester Köln,
WDR Rundfunkchor Köln Eine Produktion des
Westdeutschen Rundfunks Köln, 2012
Arranger: Roger Wanamo
Executive-Producer: Dr. Michael Breugst
Tonmeister: Markus Mittermeier
Toningenieur: Uwe Sabirowsky

Arrangements & Orchestrations (Track 4.2 – 4.19)
Fabian Del Priore
In collaboration with
Chris Huelsbeck & Jan Zottmann

Special Guest Artist (Track 1.16)
Vince DiCola
(Accompanied by the Burbank MeriCola Virtual Philharmonic Orchestra)
Composed by Vince DiCola
Arranged & Produced by
Vince DiCola & Kenny Meriedeth

Special Guest Artist (Track 2.23)
Machinae Supremacy
Robert Stjärnström (Guitars),
Jonas Rörling (Guitars), Tomi Luoma (Guitars),
Andreas Gerdin (Bass), Niklas Karvonen (Drums)
Arranged by Robert Stjärnström & Jonas Rörling

Special Guest Artist (Track 3.22) Allister Brimble

Special Guest Artist TSA Vinyl: Yuzo Koshiro

Guitars (Track 1.1, 1.14, 2.19, 3.1, 3.12, 3.13)
Manus Buchart
Guitars (Track 2.6, 4.8, 4.10, 4.18) Charlie Siete
Guitars (Track 3.11, 4.3, 4.16)
Eike “Romeo Knight” Steffen
Guitars (Track 3.22) John Symonds
Bass Guitar (Track 3.1, 3.11, 3.13) Josh Fossgreen
Cello (Track 3.1) George Chavez
Violin (Track 4.19) Michael Stöckemann

CD & Vinyl Mastering:
Hans-Jörg Maucksch (Pauler Acoustics)

TSA Front Cover Artwork: Celal Kandemiroglu
& Ogan Kandemiroglu
TSA Box Set Artwork: Halil Ural
TSA Vinyl Artwork: Markus “Junkboy” Toivonen
TSA Logo: The Light Works
Liner Notes: Audun Sorlie
Layout: schech.net

Original Sound Version Recordings & Mix:
Holger Lagerfeldt
Music Box Arrangement:
Chris Huelsbeck & Rick Epperly

Campaign Demo Artwork & Support:
Kaspar Zenklusen
Support & Logistics: Christoph Winkler, Alexander Prievert
Video Production: Rudolf Stember
Additional Video Footage & Production:
Heiko Franz, Yusuf Halal, Jonathan Shillingford
Cologne Dinner Party Coordination & Support:
Lutz Osterkorn
Vintage Hardware & Software Support:
Tobias Preis, Lutz Osterkorn
Representative for Mr. Huelsbeck:
Gloria Soto (Max Steiner Agency)